Begleitetes Malen

für Demenzbetroffene

Die Demenzerkrankung ist eine Herausforderung und Grenzerfahrung, sowohl für die Betroffenen, als auch für die sie begleitenden Menschen.
Die Kommunikation – notwendiges Bindeglied für soziales Miteinander – ist auf die vertraute Art und Weise oft nicht mehr möglich.
Also was tun, wenn die Worte für die inneren Bilder fehlen?
Das Begleitete Malen und die Kunsttherapie als nonverbales und emotionales Ausdrucksmedium kann Zugangswege und Bewegungsräume schaffen, in denen sich die Betroffenen und die begleitende Kunsttherapeutin kommunikativ begegnen können.
Ziel und Potential des Begleiteten Malens mit Demenzbetroffenen ist, dass sie während der Malstunde in Bewegung kommen und sich in der eigenen, aktuellen Bewegung erleben. Dabei entsteht für sie die Möglichkeit, ihre individuelle Spur auf dem Papier zu hinterlassen, eben ihrer eigenen Spur zu folgen.
Daraus ergibt sich Erinnerungsarbeit, da die Malenden angeregt werden, sich zu sich selbst hinzuwenden und an eine innere Bewegung anzuknüpfen. Dabei können persönliche Erinnerungen aus der Lebensgeschichte auftauchen und auch bewusst zum Thema gemacht werden.
Manchmal ist es aber auch unwichtig, was früher war, und es geht nur um die Stifte, das Papier und das unmittelbare Erleben der Farbspuren.
 

Demenz

Die Malstunden finden ohne viele Worte statt. Wichtig ist das Tun.
Damit ich die krankheitsbedingt oft vertrackte Spurensuche der Demenzbetroffenen unterstützen kann, so dass sie sich in ihren Spuren finden und ausdrücken können, brauche ich in erster Linie meine Wahrnehmung. Ich begebe mich immer wieder aufs Neue auf die Suche, um die oft nur angedeuteten Wege der zu begleitenden Demenzbetroffenen zu erahnen und im Zusammenspiel mit Ihnen zu erforschen.
Ich versuche herauszufinden, welche Farbe und welcher Pinsel den Malenden gut tut, oder ob es Buntstifte oder Wachsmalkreiden sein müssen.
Ich habe beobachtet, dass bei zunehmender Demenz oft Linienhaftes entsteht und dazwischen bleibt viel Weiß zu sehen. Manche Bilder erinnern an Schreibübungen.
Die notwendig ergänzenden Schritte, die sich aus meiner Wahrnehmung heraus ergeben, sind klare Interventionen, um den Demenzbetroffenen Orientierung und Halt durch den Malprozess zu geben. Dies ist ein wesentliches Merkmal des Begleiteten Malens.
Ich mache bei der Arbeit mit den Demenzbetroffenen intensive Beobachtungen und Erfahrungen, gehe mit vielen Phänomenen um und komme dabei auch an meine Grenzen. Oft habe ich viele Fragen und wenig Antworten und bin sehr berührt von den entstandenen Bildern.
Die seelische Ansprache der Demenzbetroffenen durch das Angebot des Begleiteten Malens ist als besonders stützend einzuschätzen und zu würdigen.

 

© 2017 - Marie-Luise Anten-Dittmer
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