”Den Faden verlieren”

Kunst trifft Demenz

(Diese Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipiert und kann gebucht werden)

Wie ist es, wenn man den Faden verliert und damit „Unordnung“ erzeugt? Wie fühlt es sich an, wenn ein Mensch sich plötzlich in dieser „Unordnung“ befindet? Sich selbst nicht mehr auskennt und die Angehörigen sie nicht mehr erkennen.
Ausgelöst durch die Demenz meiner Mutter versuche ich seit einigen Jahren mit meinen künstlerischen Arbeiten eine Antwort auf diese Frage zu finden. Zum Welt-Alzheimertag 2015 entstand die Idee, mit Demenzbetroffenen selbst das Thema künstlerisch zu bearbeiten.
Von Januar bis  August 2015 arbeitete ich in Einzelstunden in verschiedenen Betreuungseinrichtungen mit Demenzbetroffenen. Aus Garn, Wolle, Fäden, Stoff und Holz entstanden insgesamt 120  Kunstobjekte. Die Kunst soll sowohl helfen, Verständnis und Akzeptanz zu stärken, als auch Ängste und Vorurteile gegenüber dem Thema Demenz abzubauen.
 

Wer verlustig geht - geht in neue Räume,
die zu betreten vorher undenkbar war.
Verwickelt, verknäult, verknüpft, verknotet.

Außen und Innen, Ordnung und Chaos, Gefühlswelt und Gedankenwelt, Erkennen und Nichterkennen, Erkennen und Entschwinden, Erkennen und Vergessen, Hell und Dunkel, Ruhe und Zerrissenheit,
Schwarz und Weiß  -  Garn als Verbindendes  -  Wolle als Wärmendes.
 

Die lichten, hellen Momente, die dunklen Schatten der Demenz.
Erinnerung  -  was bleibt?
 

Ausstellung

Ausstellung am 21.9.2015 in der Hutfabrik Lindenberg

Die Kunstwerke der Demenzbetroffenen zeigen in verschlüsselter Form ihre glücklichen, freudigen, lebensbejahenden oder die traurigen, unglücklichen Gefühle. In meinen künstlerischen Arbeiten spiegelt sich meine Wahrnehmung durch die Kunst. Kunst kann Menschen auf Demenz aufmerksam machen, uns die Augen für eine besondere Wahrnehmung der Betroffenen öffnen und so einen anderen Zugang zu Ihrer Welt schaffen.
In diesem wunderbaren Projekt steckt viel Arbeit und Herzblut. Ich möchte mich von ganzem Herzen bei den Demenzbetroffenen bedanken. Sie haben mir ihre Aufmerksamkeit, ihr Vertrauen und ihre Nähe geschenkt. Nur so konnte ich diese Ausstellung erarbeiten. Wir hatten sehr berührende Begegnungen. Diese wurden getragen von viel Freude in den Gesprächen, Spaß und Ausdauer beim Wickeln, Sticken oder Häkeln, aber  auch von Tränen begleitet.
 

Insgesamt begegnete ich 35 Demenzbetroffenen, Einigen auch mehrfach, in den folgenden Einrichtungen:

- Tagespflege der Caritas Sozialstation Westallgäu, Lindenberg
- Cafe Lichtblick – Betreuungsgruppe der Sozialstation in Lindenberg
- Tagespflege der Sozialstation Lindau
- Seniorenwohngemeinschaft Schloss Künersberg
- Seniorengruppe im Mehrgenerationenhaus Memmingen
- Cafe Schulstube Grünenbach – Betreuungsgruppe der Sozialstation Lindenberg in Kooperation mit der
  Gemeinde Grünenbach
- Allgäu Stift Seniorenzentrum Josefsheim in Röthenbach

 

© 2017 - Marie-Luise Anten-Dittmer
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